Versucher und Versuchte

Karl Corino zum Roman

„Leo Kleinschmidt ist ein Wanderer zwischen den Welten. Aufgewachsen in der DDR, dort früh politisch unliebsam geworden, wandert er eines Tages nach Ungarn aus, bekanntlich die fröhlichste Baracke im sozialistischen Lager. Aber das Leben ist auch dort für einen Zugewanderten kein Zuckerschlecken. Die Spuren eines blutigen Jahrhunderts mit I. Weltkrieg, Räterepublik, weißem Terror, Horthy-Regime, Pfeilkreuzlern, II. Weltkrieg, Kommunismus, Volksaufstand von 1956, sowjetischer Repression und der bestenfalls  repressiven Toleranz des Kádár-Regimes sind allgegenwärtig. Die Orientierung für den von außen Kommenden ist schwierig. Kleinschmidt ist umzingelt von Geschichten (auch: Liebesgeschichten).

Er begegnet Apparatschicks, Mitläufern und Dissidenten. Auf den Rändern der Kontinentalschollen balancierend, wahrt er mühsam das Gleichgewicht, verliert es manchmal (durch die Frauen!) und gewinnt es wieder, um nach dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums nach Polen zu übersiedeln.

Leo Kleinschmidt hat auf seinen Wanderungen in rund sechs Jahrzehnten allein mehr erlebt als ein halbes Dutzend Bürger, die sich nie von ihrem Platz bewegt haben. Der Leser wird mit Schicksalen konfrontiert, die auch den Dickfelligsten unter die Haut gehen – etwa mit dem der Maria Piontek, eines Opfers von Mißbrauch, der auch in sozialistischen Gesellschaften nicht ausgerottet war.

Versucher und Versuchte – ein bewegender Versuch, die Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu erzählen: aus der Sicht eines Mannes, der zwei sozialistische Gesellschaften und die alte Bundesrepublik Deutschland vor 1989 erlebt hat.“